#BusinessKultur: Die fünf Gründe, warum Sprachnachrichten sinnlos sind

Heute zur Abwechslung mal ein kurzer, aber wahnsinnig wichtiger Artikel, denn: Ich hasse Sprachnachrichten! Warum kann kein Mensch mehr schreiben? Bitte erklärt es mir!

Seit geraumer Zeit ist es uns nun möglich, in den sozialen Nachrichtendiensten von Whatsapp und Co nicht nur zu schreiben, sondern auch Audiospuren zu schicken. Diese oftmals als Sprachnachrichten bekannten Kurzmitteilungen sind nicht länger als 1min und sind sowas wie der Anrufbeantworter des Smartphones. Und was soll ich sagen: Ich hasse es!

Früher war alles besser

Wer sich wie ich noch an die Zeit von ICQ und AOL Instant Messenger erinnert, der hat womöglich auch in einer Zeit gelebt, wo man beim Chatten direkt live jeweils am Endgerät saß. Aber anstatt zu telefonieren oder zu simsen (was auch noch teurer war), konnte man so mit mehreren Schreiben und nebenbei so tun, als würde man für die Hausaufgaben recherchieren.

Auch damals gab es dann so langsam die Option, Nachrichten an Leute zu schreiben, die als offline angezeigt wurden. Aber so richtig kam der Durchbruch damals noch nicht, zu sehr war man den Live-Austausch gewohnt. Selbst als SMS quasi kostenlos wurden, setzte sich das noch nicht durch, zumal man gerne mal Ältere löschen musste, da der Speicher voll wurde.

Erst das Smartphone änderte das, gerade die sozialen Nachrichtendienste wie Whatsapp, Threema, Telegram und (viel zu spät) auch der Facebook Messanger. Einfach mal zu schreiben, bestätigt zu bekommen, dass es angekommen ist und dann entspannt auf eine Antwort zu warten und es fast schon zu vergessen, wurde zur gängigen Kommunikationsweise.

Die fünf Gründe, warum Sprachnachrichten sinnlos sind

Mit der Verbesserung der Smartphones bzw. der massiven Aufstockung der Server die Kommunikationskonzerne im Milliardenwert brachte dann die Option, auch kleine Audiodateien zu hinterlassen. Auch hier dauerte es eine Zeit, bis sich das nicht nur technisch, sondern gesellschaftlich durchsetzte. Aber diese Zeit ist nun erreicht und es geht mir viehisch auf die Nerven. Und das aus vier Gründen:

  1. Sprachnachrichten wirken immer komisch: Die wenigsten von uns arbeiten beim Radio. Ohne Feedback vom andern Ende haben wir keine Sicherheit. Man sagt „Hallo Klaus“ und Klaus ist gar nicht da – das ist ungewohnt. Die allermeisten, die mir etwas aufsagen, wirken immer mächtig verunsichert und stolpern ins Gespräch, verhaspeln sich und kommen nur schwerlich zum Punkt. Das ist auch der Unterschied zum normalen Anrufbeantworter:  Dort bekommen es die meisten wiederum recht gut hin. Aber es gibt eben auch einen Vorlauf: Tuten, Aufsage des AB, Piepton – bis dahin haben sich die meisten gut überlegt, was sie sagen wollen. Bei Sprachnachrichten sind viele irgendwie überfordert, weil es eben sofort losgeht.
  2. Sprachnachrichten sind wirr: Dadurch verliert sich oftmals der rote Faden der Nachricht. Sowohl für den Sprechenden, als auch für den Hörenden. Da es kein Feedback gibt, ob man verstanden wurde, wiederholen sich die meisten und sagen alles drei bis viermal oder machen ungewöhnliche Denkpausen. Das wird dann nervig für mich, weil ich ja nicht wissen kann, ob da jetzt noch was Wichtiges kommt. Im normalen Gespräch hätte ich fragen oder signalisieren können, dass ich verstanden habe. Für mich werden Sprachnachrichten dadurch wesentlich länger zum Hören, als nötig.
  3. Sprachnachrichten sind nicht kürzer: Genau deshalb sind Sprachnachrichten auch nicht kürzer. Ja, das Rumgetippe ist nicht ideal, aber hey, wir hatten damals nicht mal T9 und haben uns geschrieben wie die Kaninchen Kinder bekommen. Mit Swipe-Gesten und einer vollwertigen Tastatur bekommt man alles in enormer Kürze aufgeschrieben. Ich kann auch aufsagen, was das Handy dann schreibt (wobei ihr dann mal sehen würdet, was für einen grammatikalischen Mist ihr da eigentlich zusammentragt). Gerade weil man aber schneller denken kann als tippen, fasst man sich oftmals viel kürzer. Meganachrichten bekommt man von mir nur, seitdem ich fast alle Dienste vom Rechner aus bedienen kann…
  4. Sprachnachrichten sind schwer zu merken und zu beantworten: Da ich ein visueller Typ bin, fällt mir Audio ohnehin schwerer. Aber keine Sorge, das ist dann nicht einfach das Problem von uns Augenmenschen. Wenn ich antworte oder anderweitig reagieren will und es sind mal doch mehr als eins, zwei Gedanken aufgesagt worden, kann ich nicht nochmal den Text scannen, sondern erlebe, wie ich Nachrichten drei Mal höre, mentale Notizen mache und erst dann reagiere. Das ist einfach mal kognitiv total anstrengend!
  5. Sprachnachrichten kann ich mir oft nicht sofort anhören: Leider schaffen die Entwickler es nicht, statt der Lautsprecher einfach die Hörmuschel zu benutzen. Wenn ich also mal die Kopfhörer vergessen habe, kann ich nur die ganze U-Bahn beschallen – wenn die Nachricht überhaupt ankommt.  Denn neben der Tatsache, dass Sprachnachrichten viel mehr Datenvolumen verbrauchen, bietet manchmal das Netz keine gute Leitung, um diese Datenflut abzufangen. Sprachnachrichten kommen also erstens nicht an und wenn dann aus der falschen Membran.

Fazit

WTF?? Es dauert weniger Zeit, das einfach zu tippen und zu scannen, als es aufzunehmen und abzuhören – und es frisst auch noch Datenvolumen!!

Ich fasse also zusammen: Schreibnachrichten sind präziser, kürzer, dauern weniger Zeit zum Erarbeiten und zum Erfassen, sind nicht unfreiwillig komisch, einfacher zu beantworten und kommen schlicht weg an und zwar nur bei mir.

Also Freunde, nehmt euch doch mal bitte die Zeit und schreibt mir oder ruft einfach durch. Beides ist effektiver und übrigens auch persönlicher. Und nein, es gibt keine Audiofassung dieses Artikels!

 

PS: Und es sieht auch noch bescheuert aus:
Was ist das für eine komische Geste beim Telefonieren?
Sascha Lobo | Spiegel Online

2 thoughts on “#BusinessKultur: Die fünf Gründe, warum Sprachnachrichten sinnlos sind”

  1. #BusinessKultur: Die fünf Gründe, warum Schreibnachrichten sinnlos sind

    1. Schreibnachrichten wirken immer komisch: Die wenigsten von uns arbeiten bei der Zeitung. Ohne Feedback vom andern Ende haben wir keine Sicherheit. Man schreibt “Klaus hatte einen Unfall” und Klaus liest auch den Artikel, während er im Krankenhaus liegt, kann aber nicht antworten – Das ist gewohnt. Die allermeisten, die mir etwas schreiben, wirken immer unglaublich souverän und selbstbewusst und es wirkt, als hätten sie sich eine ganze Weile lang überlegt, was sie da gerade schreiben wollen. Das ist auch der Unterschied zwischen einem Livechat. Dort bekommen sie es meistens nicht so gut hin, da sie ja sofort antworten müssen. Es gibt halt einen Vorlauf bei Schreibnachrichten. Man hat Zeit sich zu überlegen was und wie man es schreibt. Bis dahin haben sich die meisten gut überlegt, was sie schreiben wollen. Bei verbalen Konversationen hingegen sind viele irgendwie überfordert, weil es eben nicht nur den Inhalt sondern auch die Mimik, die Gerüche, die Artikulation, die Rhetorik, die Tonhöhe, die Stimmlage, etc. gibt.

    2. Schreibnachrichten sind viel zu durchdacht: Dadurch erhalten eben auch jene Personen, die eigentlich absolut nicht selbstbewusst sind, die Möglichkeit, sich zu behaupten. Das ist ungewohnt für den Sender als auch für den Empfänger. Da es kein direktes Feedback gibt, hat der jeweilige Empfänger viel zu viel Zeit, sich Gedanken über seine Antwort zu machen. Diese fällt dann zwar unglaublich ausführlich und durchdacht aus, allerdings zieht sich so eine Konversation über Stunden hinweg. Das ist dann nervig für mich, weil ich ja eigentlich nur wissen wollte, wann und wo wir uns denn jetzt zum Basketball verabreden.

    3. Schreibnachrichten sind weder kürzer noch einfacher noch verständlicher: Genau deshalb sind Schreibnachrichten auch nicht kürzer. Ja ein Telefonat kann schwierig für beide Teilnehmer sein, da man ja sein Gehirn benutzen muss und tatsächlich sprechen muss. Aber hey wir haben es ja damals auch in einer Zeit ohne Smartphones, mobiles Internet oder SMS Flats geschafft uns zum Fußball zu verabreden. Und das hat deutlich unkomplizierter funktioniert und war auch oftmals schneller. Während die Kids von heute noch in ihrer extra gegründeten Whatsapp Gruppe per Schreibnachrichten absprechen müssen, wer den Eistee vom Lidl holt und wer den Ball mitbringt, haben wir damals schon die ersten Tore gemacht.
    4. Schreibnachrichten sind schwer zu lesen und zu beantworten: Da ich ein audio-visueller Typ bin, fällt mir Lesen ohnehin schwerer. Aber keine Sorge, das ist dann nicht einfach das Problem von uns normalen Menschen. Wenn ich antworte und anderweitig reagiere, wird meine Nachricht oft misinterpretiert. Dies liegt dann daran, dass ich nicht den Mindestanteil von 25% an Emojis eingehalten habe. Und so erwische ich mich dabei, dass wenn mal ein längerer Text kommt, ich erst mal eine halbe Stunde nachdenke um dann adäquat antworten zu können.
    5. Schreibnachrichten sind Bockmist: Genauso wie Sprachnotizen, Emojis, und der restliche Quatsch. Ich bin wahrlich kein Typ der in der Vergangenheit lebt oder moderne Dinge zu unrecht kritisiert. Ich liebe die Technik, den technischen Fortschritt. Ich mag es meine Kontakte digital, mit Foto abspeichern zu können und jederzeit abändern zu können, ohne mit Tippex kaufen zu müssen. Ich liebe es meine Termine wortwörtlich hin und herzuschieben. Aber die Kommunikation über Whatsapp, Telegram, etc. ist einfach nur neumoderner Quatsch und lässt dich in Volksverdummung einordnen. Es ist praktisch das Fernsehen der Neuzeit mit dem sich auch die Unterschicht mal ganz beschäftigt fühlen kann. hier mal eine Nachricht, da mal eine Statusänderung. Es hält einen beschäftigt und sorgt dafür, dass man Konversationen führt die man damals niemals geführt hätte.

    Freut euch auch auf den nächsten Artikel: Emojis, der erste Schritt in das Leben ohne Leben.

  2. Banal, trivial und selbstevident ist es immer schon: Sprachnachrichten sind interessanter und reicher als Textnachrichten da sie mehr Kommunikationskanäle ansprechen.
    Ich gehe mit Dir konform, in Sprachnachrichten fehlt das direkte Feedback des Verstandenwerdens – aber was ist im Gegenschluss mit Ironie, der Nähe des anderen, der Wärme?
    Wir kennen die Antwort bereits: der menschliche Kontakt baut sich viel eher durch mündliche auf als durch schriftliche Kommunikation auf.

    Anders gefragt, wieviel Zeichen bräuchte es um Ironie, Zögern, Überlegen, Unsicherheit, Langsamkeit, Müdigkeit, Genervtsein, noch einmal Unsicherheit, Witz und Freude dann wieder Unsicherheit und ein kleines Zögern auszudrücken?

    Genau all das kann ich einer kleinen Frequenz ausrücken:

    „Hallo( Ironie) (Zögern) ich (Überlegen)wollte (Unsicherheit) wi(Langsamkeit)sse(Müdligkeit)n (Genervtheit) wie es Dir geht? (Unsicherheit) (Parallel dazu Witz und Freude, Unsicherheit und Zögern beim letzen Laut).

    Nur durch das Anhören kann man bei diesem Beispiel wissen, was war:
    -War es ein Flirt?
    -Eine Rückmeldung des Kollegen?
    -Ein Anruf der Mutter beim Sohn?

    Ein anderes Argument spricht (nicht) für die Textnachricht : die Effizienz.
    Ich lese schneller also ich zuhören kann, wenn ich einem vorgegebenen Sprechtempo unterworfen bin.

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