Die vier Gründe, warum du eine Vision brauchst

Sich die eigene Zukunft einmal vorzustellen, sich Ziele zu stecken, sich selbst zu ermutigen – viel liest man dieser Tage über Visionen. Doch heißt es am Ende mal wieder nur: Ackere dich kaputt, irgendwo wirst du schon landen? Zeit, endlich mal darüber zu reden, warum du eine Vision wirklich brauchst.

Eine Vision zu haben wird unmittelbar damit verknüpft, produktiv und motiviert zu sein. Es geht also darum, dich in Phasen, wo du entmutigt, lustlos, müde oder ungewollt langsam bist, wieder dahin zu bringen, wo du hinwolltest: Viel schaffen und möglichst viel Zeit für dich selbst, Freunde oder weitere Prioritäten zu haben. Was du dir also klarmachen musst, ist, dass es um Impulse geht, die du an deinen Chemie-Cocktail im Hirn senden kannst, welches dir dafür Energie, Kreativität und Leidenschaft gibt.

Unbewusst oder Bewusst?

Unser Gehirn ist das dynamischste Organ. Es arbeitet permanent. Frühere Vorstellungen, man würde es etwa beim Fernsehen abschalten, stimmen nicht. Auch die Theorie der grauen Zellen ist längst widerlegt. Unser Gehirn lernt ständig und permanent. Im Falle von Entscheidungen tut es eigentlich nur zwei Dinge: Es handelt nach Regeln und prüft dabei, ob diese stimmen. Darauf basiert unser gesamtes Agieren. Dabei entscheidet in den allermeisten Fällen unser Unterbewusstsein und die Neurologie findet immer nur noch mehr Beispiele, wo unser Bewusstsein dem Unterbewusstsein permanent hinterherläuft.

Unser Unterbewusstsein ist eine Ansammlung aus Erfahrungen, Prägungen und Instinkten. Wenn eine Information bei dir eintrifft, wird geprüft, ob sie es wert ist, bewusst ‚bearbeitet‘ zu werden oder ob es ausreichend Vergleichsinformationen – sogenannte Regeln – gibt. Wenn du also eine Entscheidung triffst, ist es sehr wahrscheinlich, dass diese von deinem Unterbewusstsein aufgrund von Regeln abgeleitet aus Erlebnissen aus deiner Vergangenheit getroffen wurde. Um dich bewusst zu aktivieren, etwa, weil du das Gefühl hast, einfach nicht gut genug voranzukommen, musst du dein Handeln von deinem Unterbewusstsein in dein Bewusstsein holen.

Regeln bestätigen oder widerlegen?

Das klingt einfacher, als es ist. Denn obwohl als Schutzmechanismus vorgesehen, machen es uns ausgerechnet unsere Regeln besonders schwer. Desto älter und erfahrener wir werden, umso mehr ‚wehrt‘ sich unser Unterbewusstsein, dass unsere Regeln verändert werden. Das soll uns vor Fehlern vergangener Tage schützen. Es ist aber auch unsere größte Falle. Wenn du dich also fragst, warum so viele Menschen ihre Projekte aufgeben und lieber in eine vermeidliche Sicherheit wollen, ist es genau das: Sie suchen die Umgebung, in der ihr Regelwerk wieder stimmt, in der die Zukunft vorhersehbar und somit sicherer ist und in der sie nicht mühsam etwas neu lernen und vermutlich neuen Herausforderungen inklusive Fehlern begegnen müssen.

Unser Gehirn ist dabei besonders effektiv, weil es die Bestätigung von Regeln und die Registrierung von Ausnahmen in unterschiedlichen Bereichen verarbeitet. Um unserem Unterbewusstsein und damit der Lethargie und der Entmutigung nicht zu erliegen, müssen wir also aktiv diese Verbindung herstellen, damit die Summe der Ausnahmen tatsächlich aktiv wahrgenommen wird und zu einer nachhaltigen Veränderung der Regeln führt. Deine Regeln ändern sich nicht von alleine.

Damit du also bei deinen Projekten nicht aufgibst, brauchst du eine klare Vision. Diese hacked dein Unterbewusstsein immer dann, wenn dich dein Regelwerk unterbewusst zum Aufgeben zwingen will.

Vier Gründe, warum dir deine Vision tatsächlich aktiv hilft:

1. Glück wahrnehmen

Ich bin mir ziemlich sicher, auch du hast schon Phasen hinter dir (oder erlebst sie aktiv), wo du das Gefühl hast: Dir gelingt einfach nichts. Oder du merkst, dass du eigentlich Erfolg hast, aber es muss nur eine Sache richtig mies laufen oder jemand einen besonders verletzenden Kommentar abgeben und schon ist deine Stimmung im Keller.

Warum ist das so? Warum auch immer hat dir dein Leben in solchen Situationen eingeredet, dass du gerade keinen Erfolg hast. Jede Abweichung davon kommt – du hast es schon vermutet – in den Bereich für Ausnahmen. Das Positive landet im Bereich „Hm ok, irgendwie Glück gehabt.“ und das Negative im Bereich „Ich habs doch gewusst!“.

Eine klare Vision, von der du überzeugt bist, hilft dir hier, weil du aus ihr die Regel formen kannst: Kann gar nicht schiefgehen. Deine Vision ist im Idealfall so genial und so unangreifbar, dass du das Glück als Regel wahrnimmst und das Pech als „Hm ok, kann ja nicht alles klappen.“

In Zeiten einer Krise musst du dich also deines Glückes im wahrsten Sinne des Wortes bewusstwerden. Und dabei assistiert dir deine Vision.

2. Die Krise überwinden

Krise ist ein gutes Stichwort. Vielleicht hast du auch das schon mal erlebt: Ob irgendwie summiert oder durch ein einschneidendes Erlebnis, du machst eine emotionale Krise durch. Du bist traurig, demotiviert, wütend, verletzt – ein Potpourri der miesen Stimmung.

Wir als Höhlentier versuchen dann instinktiv uns wieder in Sicherheit zu bringen – also dahin zurück, wo wir uns auskennen. Frau Merkel brachte das vor Jahren mal auf den Punkt: „Wir müssen wieder dahin zurück, wo wir vor der Krise waren.“ Das Problem ist nur: Wo waren wir denn vor der Krise? Ach ja richtig, vor einer Krise!

Manche wollen unbedingt ihren Partner zurück, weil da alles so perfekt war. Manche wollen unbedingt ihren Job oder ihr Studium zurück, weil das Ziel dort so klar war. Manche wollen unbedingt das Leben ihrer Eltern nachmachen, weil sie sich so positiv an ihre Kindheit erinnern. Nichts davon stimmt natürlich. Früher war nicht besser. Früher war vor allem früher. Aber früher kennen wir wenigstens schon. Und früher hatten wir eine klare Perspektive, egal, ob diese nur eine unerfüllte Phantasie war oder eben ein von außen diktiertes Regelwerk.

Stärker, besser, reicher, geliebter, gefestigter, erfahrener, sicherer wirst du aber nur, wenn du dich deinen Herausforderungen stellst. Der lange Weg durch das Tal, der nicht zu überspringen ist, lässt dich auf einen viel höheren Berg steigen. Wenn du also vor lauter Unglück nicht versuchst, dich dahin zu bringen, wo du vor deinem Unglück warst – nämlich vor deinem Unglück – dann musst du bereit sein, das, was du erfahren hast, als einen neuen Teil von einem neuen Du wahrzunehmen. Du kannst gar nicht mehr der oder die von davor sein. Wir belügen uns entweder nur selbst oder wir nehmen das Neue an.

Deine Vision ist Teil des Neuen und um es zu erreichen, musst du über viele Berge und durch viele Täler gehen. Aber bevor du darauf hereinfällst, dich einzurichten in dem, was dich zwar nicht glücklich, dir aber immerhin keine Angst macht, lässt du dich von deiner Vision auf den richtigen Weg bringen. So bekommt übrigens die Standardausrede eine ganz neue Bedeutung „Jaja, in der Jugend hat man noch Träume“. Ich sage nur: Du bist so jung, wie du dich mutig fühlst.

3. Kennenlernen, was man will

Nun magst du hoffentlich genau das wollen: Dich mit der Vision glücklich und mutig machen. Aber unser Gehirn ist schlau und lässt sich nicht so leicht austricksen. Es hat für seine Regeln gute Gründe und gibt diese nur sehr widerwillig auf.

So hat es noch eine weitere Gemeinheit auf Lager: Es weiß gar nicht, was es will. Es steht im ständigen Widerspruch. Um Sicherheit zu erlangen will es ständig Neues lernen, um daraus Regeln abzuleiten, was wiederum mehr Sicherheit bringen soll. Klingt gar nicht doof, aber es widerspricht sich halt. Wie sollen Sicherheit und Freiheit hier zusammenpassen? Wie sollst du Neues erfahren, wann du doch bloß nichts Unvorsichtiges zulassen sollst?

So erlebst du dich in besonders mutigen Phasen und in Phasen, wo du der Macht der Gewohnheit verfällst. Dabei ist dir aber eins immer sicher: Du kommst nie da an, wo du – wenn überhaupt – mal dachtest, dass du da ankommen würdest. Du empfindest Glück oftmals dann besonders intensiv, wenn es unerwartet kam. Und du hättest dann nie gedacht, dass du das Glück an dieser Stelle oder in dieser Intensität finden würdest. Aber die einzige Möglichkeit, es zu finden, besteht einzig und allein darin, einfach loszugehen.

Das musst du zu deiner Regel machen. Wenn du eine klare Vision hast, dann bist du motiviert, einfach loszugehen. Und auf deiner Reise wirst du dann feststellen, was du wirklich willst. Deine Vergangenheit kann dir deine Zukunft nicht voraussagen. Wenn du fünf Wochen lang dein Produkt nicht verkaufst, hilft dir deine Vision, alles dafür zu tun, dass du in den nächsten fünf Wochen tatsächlich verkaufst. Deine Vision verhindert, dass du nach fünf Wochen aufgibst, dir lauter Ausreden einfallen lässt („Ich suche mir erstmal nen Job“, „Ich wollte eigentlich ja schon immer mal reisen“, „Ich hatte einfach kein Glück“) und dich der Illusion von Sicherheit hingibst.

Mit der richtigen Vision hast du den Mut, einfach loszugehen und das zu finden, von dem du noch gar nicht wusstest, dass du es immer wolltest.

4. Horizont erweitern

So, mittlerweile kannst du also dein Gehirn glücklich pimpen, ihm Mut einreden und bist dir bewusst, dass du gar nicht weißt, was du willst, außer loszugehen. Das alles hast du geschafft, weil du eine geniale Vision hast. Doch natürlich hat dein Gehirn noch eine letzte Schranke eingebaut: Deinen Horizont.

Unser Horizont ist das, was wir erlebt haben und das ein wenig multipliziert. Wenn man also schon mal 1000€ verdient hat, kann man sich auch vorstellen 10.000€ zu verdienen. Jeder der behauptet, er wisse genau wie das sei, 1 Mio € zu verdienen, der lügt. Denn dafür müsste man investieren. Wie oft fällt es Menschen schwer,  die 100€ investiert und anschließend 1000€ verdient haben, genau diese 1000€ zu investieren, um 10.000€ zu verdienen. Es hat ja schon ihren Horizont gesprengt, die ersten 1000€ zu verdienen. Es war ihre Vision, mal 1000€ zu verdienen. Und jetzt komme ich und rede von 10.000€.

Also nicht nur, dass du gar nicht wissen kannst, was du wirklich willst – du kannst es dir nicht einmal vorstellen. Wenn ich also von dir deine klare Vision hören will, dann ist deine Antwort nichts anderes als die Beschreibung dessen, was du erlebt hast und das ein wenig multipliziert. Du sagst damit mehr über deine Vergangenheit, als über deine Zukunft.

Eine wirklich gute Vision sprengt deine Vorstellungskraft. Sie ist so formuliert, dass dich möglichst alle in deinem Umfeld für bekloppt halten. Wenn du meine Vorstellungskraft nicht sprengst, dann überzeugst du mich nicht als Investor, nicht als Käufer und nicht als Berater. Du sollst der sein, der mir zeigt, was ich will. Ich bin nicht in der Lage, dir klar formuliert meine Wünsche zu äußern. Ich kann dir nur sagen, was ich kenne, wovor ich keine Angst habe und womit ich früher eine schöne Zeit hatte. Du musst aber derjenige sein, der mir zeigt: „Hey, mit meiner Idee wirst du so glücklich, so mutig und so erfüllt, wie du es noch nie warst. Ich bin der, auf den du dein ganzes Leben gewartet hast.“

Eine Vision, die das nicht erfüllt, baut dir nur eine Illusion von Mut in deinem viel zu beschränkten Sicherheitshaus. Wirklich draußen zu sein in der vollkommenen Unsicherheit, die dich lernen, wachsen und reifen lässt, bedeutet, dass du deinen Horizont massiv erweitern musst.

Fazit

Alles, was du wissen kannst, ist, dass du nichts wirklich genau weißt. Wenn du unglücklich bist, solltest du herausbekommen, warum das so ist und dein Glück bewusster wahrnehmen. Wenn du aus einer Krise herauskommen willst, dann nur über den Weg nach vorne. Wenn du nach vorne gehst, dann indem du alles andere auf dich zukommen lässt, ohne Rücksicht auf Ängste. Und wenn du losgehst, dann solltest du dir bewusst sein, dass dein Ziel weit über dem liegen muss, was du dir heute vorstellen kannst.

Unsere Bedürfnisse, unsere Wünsche, unser Glück sind morgen schon ganz andere Dinge. Nichts ist so beständig, wie die Veränderung. Mit manchen macht man diese Veränderungen gemeinsam mit, mit anderen hat sich der Sinn der Gemeinsamkeit erfüllt und man zieht weiter. Nur weil man mit einer Sache mal erfolgreich war, ist dieser Erfolg nicht automatisch zu wiederholen, gar einzufordern.

Unsere Vision ist unsere treibende Kraft, die uns losgehen lässt und uns die Kraft gibt, das zu suchen, was wir noch gar nicht kennen, ja was wir noch gar nicht kennen können.

Erst dann erreichen wir übrigens wirkliche Sicherheit: Erst dann werden wir auf unser Leben zurückblicken und die Gewissheit haben, wirklich alles probiert zu haben. Und erst das wird uns verdammt glücklich machen.

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